Teamgeist, Torhunger und jede Menge Erfahrung

Die SG Lindenberg/Lindau 1b hat eine überragende Saison mit dem Bezirksliga-Gruppensieg gekrönt. Was steckt hinter dem Erfolg? Wir nehmen das Team vor dem letzten Heimspiel und den Play-offs unter die Lupe.

 

Auch wenn manche Spiele vom Verlauf her knapp waren: Die SG Lindenberg Lindau 1B hat sich mit einer beeindruckenden Überlegenheit die Meisterschaft in der Bezirksliga Gruppe 4 geholt. Aber was macht die Mannschaft so stark? Vor dem letzten Heimspiel am heutigen Samstag gegen den EV Königsbrunn (18 Uhr) schauen wir uns den Tabellenführer etwas genauer an und werfen schon mal einen Blick auf die anstehenden Playoffs, deren Erreichen für den TV Lindenberg jetzt schon der größte Erfolg seit 40 Jahren ist.

 

Wie sieht die Erfolgsbilanz in Zahlen aus?

Die SG Lindenberg/Lindau 1B hat 49 von 51 möglichen Punkten geholt. 16 der bis dato 17 Spiele wurden gewonnen, die einzige Niederlage gab es gegen Vizemeister Lechbruck erst im Penaltyschießen. Das Torverhältnis von 131:37 spricht Bände. Alle Siege gab es mit mindestens zwei Toren Vorsprung, viermal wurde der Gegner sogar zweistellig vom Eis gefegt. Beeindruckend: Zuhause in Lindenberg wurde seit Februar 2015 kein Spiel mehr nach 60 Minuten verloren.

 

Ist dieser Erfolg überraschend?

Ja und nein. Seit der 33-jährige Trainer Matthias Schwarzbart das Sagen hat, geht es konstant nach oben: Platz 5, Platz 3 - und jetzt Platz 1. Er hat es geschafft, aus starken Einzelspielern ein funktionierendes Kollektiv zu formen, in dem jeder für jeden kämpft. Stichwort "Teamspirit". Zudem sind in diesen drei Jahren immer mehr Hochkaräter vom EV Lindau in den Bezirksliga-Kader gekommen, die sich den großen Aufwand in Ober- und Bayernliga nicht mehr antun wollten - zum Beispiel Timo Krohnfoth, Daniel Pfeifer oder Patrick Prell. Kombiniert mit den Lindenberger Sturm - Granaten Manuel Merk und Michael Wellenberger gibt das eine für die Bezirksliga enorme Qualität. Aber dass es die Meisterschaft mit so großem Vorsprung geben würde, damit hatten selbst die kühnsten Optimisten nicht gerechnet.

 

Was sind die Säulen des Erfolgs?

Die Defensive um Kapitän Patrick Prell macht einen richtig guten Job. Selbst in Unterzahl brennt nur selten etwas an - und wenn, dann ist der 22-jährige Torwart Dominik Hattler ein zuverlässiger Rückhalt. Weniger als 2,2 Gegentore pro Spiel sind mit Abstand der Bestwert der Liga. Offensiv ist die Mannschaft sehr variabel. Jede Reihe kann Tore erzielen, schon fünf Spieler haben bereits zweistellig getroffen: Manuel Merk (25), Timo Krohnfoth (16), Michael Wellenberger (l4), Daniel Pfeiffer und Dominik Mahren (beide 11). Insgesamt gab es 16 verschiedene Torschützen.

 

Was sind die Schwachstellen?

Die Strafbank. Angesichts ihrer spielerischen Überlegenheit kassiert die Mannschaft zu viele Zeitstrafen. Das hatte in der Liga zwar bislang so gut wie keine Auswirkung - aber in den Play-offs gegen stärkere Gegner werden die Unterzahlsituationen wohl nicht so glimpflich ablaufen.

 

War in dieser Bezirksliga schon mal ein Meister so gut?

Im langjährigen Vergleich ist die Lindenberger Bilanz schon ziemlich gut - aber zuletzt waren zwei Übermannschaften noch besser: Der EV Füssen gewann in der Vorsaison alle 20 Spiele mit überragenden 228:30 Toren. Und in der Spielzeit 2014/ 15 holte die SG Ulm/Neu-Ulm als Meister satte 58 von 60 möglichen Punkten (165:48 Tore).

 

Wie geht’s jetzt in den Play-off´s weiter?

Die Ersten und Zweiten der vier Bezirksliga-Gruppen ermitteln abkommendem Freitag den Bayerischen Bezirksliga-Meister. Gespielt wird eine K.-o.-Runde im Modus „Best of Three“ (maximal drei Spiele, wer zweimal gewinnt ist weiter). Lindenberg hat als Gruppensieger im ersten Spiel Heimrecht und trifft auf den Zweiten der Gruppe 3. Wer das ist, ist noch offen. Spieltermine für das Viertelfinale sind 10., 12. und 17. Februar. Das Halbfinale ist auf 19., 24. und 26. Februar angesetzt. Die Sieger der beiden Halbfinalspiele qualifizieren sich für die Landesliga und ermitteln im Endspiel am 3., 5. und 10. März den Bayerischen Meister der Bezirksliga.

 

Wie sind die Chancen?

Für Spielertrainer Matthias Schwarzbart ist das „schwierig zu sagen“. Er verfolgt zwar die Ergebnisse und Spielberichte aus den anderen Ligen - aber ansonsten sind ihm die potenziellen Gegner unbekannt. Dass in der Gruppe 3 noch drei Teams um die Play-offs spielen, könne man so oder so interpretieren: Entweder gibt es dort keine Übermannschaft - oder das Niveau in der Liga ist insgesamt hoch. „Wir nehmen es, wie es kommt“, sagt Schwarzbart. Er rechnet damit, dass Mittenwald der erste Gegner wird.

 

Will die Mannschaft überhaupt aufsteigen?

„Mein Ziel war vor der Saison das Erreichen der Play-offs. Alles andere ist ein Bonus“, sagt Schwarzbart. Allein schon die K.-o.-Spiele seien für viele, vor allem junge, Spieler eine neue Erfahrung. Mit dem Thema Aufstieg habe man sich noch nicht beschäftigt. „Wenn es soweit kommen sollte, werden wir mit allen Beteiligten das Für und Wider diskutieren“, sagt der Coach.

 

Welche Rolle spielt das heutige Heimspiel gegen Königsbrunn?

Die Standardreihen funktionieren. Schwarzbart wird mit Blick auf die Play-offs die Gelegenheit nutzen, das eine oder andere auszuprobieren, „um einen Plan B für den Ernstfall“ zu haben. Ziel ist es außerdem, die Heimserie zu wahren.

 

Wie ist die Personalsituation?

Zuletzt gab es einige Ausfälle. Aber: „Alle Stammspieler werden zumindest bis Freitag wieder an Bord Sein“, sagt Schwarzbart. Für Youngster Simon Lehmann (Leistenbruch) ist die Saison beendet.

 

Die Play-off-Teilnehmer aus den vier Bezirksligen

- Bezirksliga Gruppe 1: ERC Ingolstadt und ESV Waldkirchen. Wer Meister wird, entscheidet sich allerdings erst am letzten Spieltag. Beide haben 51 Punkte, Ingolstadt aber das klar bessere Torverhältnis (184:39 zu 142:41).

- Bezirksliga Gruppe 2: Souveräner Meister ist der EHC Klostersee (19 Spiele, 19 Siege, 212:18 Tore), Vizemeister ist der EV Aich (19 Spiele, 16 Siege, 153:63 Tore)

- Bezirksliga Gruppe 3: Der ESC Holzkirchen (42 Punkte, 93:40) ist derzeit Erster, hat aber kein Spiel mehr. Vermutlich wird die SG Schliersee/Miesbach (40 Punkte, 100:43 Tore) vorbeiziehen‚ da sie am letzten Spieltag zum abgeschlagenen Schlusslicht Fürstenfeldbruck muss. Auch der EV Mittenwald hat noch Chancen auf den zweiten Platz (39 Punkte, 103:46 Tore).

- Bezirksliga Gruppe 4: Die SG Lindenberg/Lindau 1b ist Meister, Lechbruck ist Zweiter.

 

Quellen:

Bericht: Benjamin Schwärzler (Westallgäuer)

Fotos: David Ochsenreiter

Fotos: Florian Wolf / Shakral Photography

 

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0